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02.01.2021

SC Concordia Zollern – Ein waschechter Ausbildungsverein ohne eigene erste Mannschaft

02.01.2021 Von Marcel Schlegel
Der Sport-Club Concordia Zollern geht neue Wege: Die Macher um Marc Schuster und Egon Welther legen ein Konzept vor, das sich ausschließlich dem Jugendfußball widmet.

Seit Mitte Oktober hat der hiesige Fußballbezirk einen neuen Verein, der diesen sogar im Namen trägt: Sport-Club Concordia Zollern e.V. heißt der, wurde Mitte Dezember offiziell ins Vereinsregister aufgenommen, von ehemaligen Funktionären und Jugendtrainern der TSG Balingen gegründet und geht einen ganz eigenen Weg: Der Klub positioniert sich als genuiner Ausbildungsverein, genauer als Kooperationsverein. Das Kalkül: Die Macher um den Vorsitzenden Marc Schuster, Stellvertreter Egon Welther, sowie Alexander Schreiner und Waldemar Erdlei aus dem Hauptausschuss wollen mit bestehenden Vereinen aus dem Großraum Hechingen langfristige Förderungskooperationen eingehen. Jugendspieler sollen also bei der Concordia ausgebildet werden, aber fortwährend Mitglieder ihres Stammvereins bleiben – und im Idealfall ab dem Aktivenbereich zu diesem auch wieder zurückkehren.

Angepeilt: A-, B- und C-Jugend-Teams

Um von den Vereinen im Zoller(n)-Raum nicht als Konkurrenz, sondern als Partner betrachtet zu werden, werde man bewusst auf eigene Aktiventeams verzichten, sagt Schuster, der zuvor unter anderem Jugendvorstand und Nachwuchstrainer in Balingen war. Er hofft, zur Saison 2021/22 mit einer A-, B- und C-Jugend am Spielbetrieb teilnehmen zu können – sofern die Corona-Sondersituation dies zulässt.

Sollten die Klubs aus dem Altkreis Hechingen bereit sein, ihren Nachwuchs unter den hellblauen Concordia-Schirm und dem SCC ebenfalls Infrastruktur und finanzielle Umlagen zu stellen, erhalten diese im Verständnis des Ausbildungsklubs als Gegenleistung: lizensierte Nachwuchstrainer und eine leistungsorientierte sowie im oberen Altersbereich idealerweise lückenlose Ausbildung. „Wir sind der einzige Verein in der Region, der sich ausschließlich auf den Nachwuchsbereich fokussiert und dabei die Problemstellung der regionalen Vereine mitberücksichtigt und an partnerschaftlich an Lösungen arbeiten will“, so Schuster. Auch soziale Projekte sollen umgesetzt werden.

Immer weniger eigenständige Jugendteams

Und genau hierin könnte das Erfolgsrezept liegen. Denn: Im Gebiet des Württembergischen Fußballverbands (WFV) sinken seit Jahrzehnten die Meldezahlen für Jugendmannschaften. Die fast 10 000 Nachwuchsteams, die in Württemberg noch 2006 am Spielbetrieb teilnahmen, gingen bis 2019 auf 8100 zurück – ein Minus von gut 20 Prozent. Gleichzeitig sprießen Spielgemeinschaften aus dem Boden. Rund 730 SGM waren gemeldet, als dieses Konzept 1995 eingeführt wurde, 2050 Stück verzeichnete der WFV in 2019.

Der Zusammenhang ist offensichtlich: Weil bei den Vereinen der Nachwuchs weniger wird und sie immer weniger eigene Jugendteams stellen können, kooperieren diese mit benachbarten Vereinen. Und trotzdem werden es immer weniger Teams – auch im Bezirk: 2006 waren in Zollern noch über 300 Jugendmannschaften gemeldet, auf fast 70 weniger beläuft sich die Zahl in 2019. Besonders markant ist das Missverhältnis in der ältesten Jahrgangstufe, der A-Jugend – aus der die ersten Mannschaften eigentlich ihr Personal rekrutieren sollen, aber immer seltener können. 2006 waren in Zollern 27 A-Junioren-Mannschaften registriert, im Vorjahr nur noch 19, dies bei über 90 Aktiventeams.

FC Hechingen wohl an Bord

Spielgemeinschaften können den ausbleibenden Nachwuchs nun abmildern. Ein Problem bleibt bei diesen dennoch zuweilen bestehen: Nicht immer bringen selbst solche Vereinskonglomerate in jeder Altersklasse eine Mannschaft zusammen. Das Concordia-Projekt könnte sich so als eine mögliche Lösung für die bekannten Probleme des Jugendfußballs entpuppen. Die Concordia wäre dann sozusagen eine „Spielgemeinschaft XXL“ ohne Lücken in den Altersstufen. Vorausgesetzt, das Modell, das Schuster den Klubs im Hechinger Raum schon präsentierte und offenbar grundsätzlich auf Zuspruch stieß, wird von den alteingesessenen Vereinen angenommen und die Concordia-Funktionäre finden Partnervereine. Darum soll sich Helmut Eisenblätter kümmern.

Einen Verein haben die Concordia-Pioniere offenbar schon an der Angel: den FC Hechingen, der bei seiner Gründung in 1907 markanterweise noch „FC Concordia Hechingen“ hieß. Dessen Vorsitzender Axel Wiesner sagt: „Die Concordia kann eine Bereicherung sein.“ Der FCH, der im Jugendbereich mit dem TSV Stein, TSV Boll und TSV Stetten zusammenarbeitet, stehe dem Projekt „positiv gestimmt entgegen“, so Wiesner.

TSV Stein überlegt noch

Der Vorteil des SCC Zollern könne in dessen Neutralität liegen. „Es scheint mir hier nicht ums Prestige zwischen einzelnen Klubs zu gehen, sondern um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit“, so Wiesner. Außerdem, so der Hechinger weiter, profitiere der Nachwuchs von qualifizierten Trainern wie Schuster, Erdlei, Schreiner, zudem DFB-Stützpunktrainer in Rottenburg, oder Michael Eberhart, ebenfalls ein früherer TSG-ler. In Reihen des TSV Stein überlegt man noch, wie Vereinsfunktionär Harry Neufeld berichtet. „Wir haben keine Eile, da wir prinzipiell gut in der Jugend aufgestellt sind.“

Beim FC Hechingen arbeiten im Aktivenbereich mit den Trainern Stefan Ermantraut, Jan Dehner, Igor Idjakovic und Matthias Zahn schier ausnahmslos ehemalige Balinger. Das könnte die Verbindung der Hechinger mit der Concordia erklären, deren Funktionäre ebenfalls bis Juli zum Vorstands- oder Nachwuchsstab der TSG Balingen zählten, dieser dann aber nach Dissonanzen mit der Vereinsführung den Rücken kehrten. Auch Unternehmer Thomas Pittasch, der bei der TSG viele Jahre im Vorstand war und sich insbesondere in der Jugendarbeit – auch finanziell engagierte, sich aber zuletzt nicht mehr aufstellen ließ, unterstützt den SCC Zollern.

Keine Konkurrenz zum früheren Klub

Als Rivale zu seinem ehemaligen Verein aus Balingen, der sich selbst ebenfalls als Ausbildungsverein begreift, will Schuster den von ihm gegründeten Klub aber nicht verstanden wissen. „Inhalt und Ziel unseres Konzepts gehen in eine komplett andere Richtung als die Nachwuchsarbeit bei der TSG. Aus diesem Grund ist ein Vergleich abwegig“, sagt der erfahrene Jugendfunktionär, der zuvor viele Jahre in Balingen für die Ausrichtung des Nachwuchsbereichs zuständig war. Und doch: Wie es der Zufall will, hat auch die TSG Balingen vor Kurzem bekanntgeben, unter dem neuen Jugendkoordinator Henry Seeger und unterstützt durch Sponsor und Aufsichtsratchef Heinrich Sülzle bis 2030 eine Fußball-Akademie an den Start bringen zu wollen.

Der SC Concordia nun wolle ein wertegeleiteter und nachhaltiger Ausbildungsverein sein, der zudem künftig soziale Projekte forcieren könnte, benannte Schuster das Selbstbild des Klubs vor einigen Wochen. Auch über eine Fußballschule könne man nachdenken. Die TSG nun veröffentlichte unlängst eine Mitteilung, die sich nahezu deckungsgleich liest: „Ziel ist es, eine Akademie zu schaffen, in welcher die Jugendspieler von den Bambinis bis in die erste Mannschaft eine nachhaltige Ausbildungskonzeption durchlaufen. Neben dem Leistungssport wird dabei die Wertevermittlung eine zentrale Rolle spielen. Auch Themen wie Nachhaltigkeit und die Umsetzung sozialer Projekte sollen vorangetrieben werden.“ So abwegig ist der Vergleich doch nicht.

Konzept erinnert an ehemalige JSG

Das Modell des Sport-Club Concordia Zollern erinnert an ein anderes Kooperationsprojekt, das es so im Nachwuchsfußballer unterm Zoller schon mal gegeben hat: die JSG Hechingen. Die Jugendspielgemeinschaft, ebenfalls ein eigenständiger Verein, existierte in Hechingen von 2004 bis 2012. Der Ansatz: dem vom SCC sehr ähnlich. Mit der JSG wollten die Vereine auf die rückläufigen Zahlen an Jugendfußballern reagieren, die Kräfte im Hechinger Raum bündeln. Anfangs waren damals der TSV Boll, FC Hechingen, Sportfreunde Sickingen, TSV Stein und der SV Weilheim an Bord. Hechingen, Stein und Weilheim sprangen wieder ab, stattdessen gesellte sich zeitweise der TKSV Hechingen hinzu. Als die Verantwortlichen das Projekt beerdigten, bestand die JSG nur noch aus Boll und Sickingen. Diese Vereine gingen anschließend in eine reguläre Spielgemeinschaft über, der sich zudem noch Stein und der TSV Stetten angeschlossen hatten. Die Jugendspielgemeinschaft scheiterte vor allem auch daran, dass die Einzelvereine ihre Eigeninteressen und Prestigedenken nicht gänzlich ablegen konnten.



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